Exkursion des DWB Hessen zum Internationalen Waldkunstpfad und dem „Osthang-Projekt“, Darmstadt

Internationales Waldkunst Zentrum und Internationaler Waldkunstpfad

Vortrag und Führung mit Ute Ritschel

"Holz" ist das Schwerpunktthema 2015/2016 des DWB Hessen e. V. An der Exkursion nach Darmstadt, die am 15. August 2015 unter diesem Motto bei schönem Sommerwetter stattfand, nahmen elf Teilnehmer teil, darunter aus dem aktuellen Vorstand Ulf Kilian, Michael Peterek, Petra Schwerdtner und ich als Veranstaltungsleiter. Es war nicht nötig, dreimal auf Holz zu klopfen, denn dieser inspirierende Tag hatte es auch so in sich!

Ute Ritschel, die als Kulturmanagerin und erfahrene Kuratorin das Internationale Waldkunst Zentrum und den Internationalen Waldkunst Pfad initiierte und organisiert, führte uns durch das in einem Bessunger Vereinshaus befindliche administrative und organisatorische Herzstück, das Waldkunst Zentrum einschließlich umgebendem Freigelände, die für temporäre und Dauer-Ausstellungen von Waldkunst-Exponaten genutzt werden. 

Schier unerschöpflich waren Ute Ritschels Informationen zum Projekt und den Kunstwerken, erlebnis- und erfahrungsreich die Erkundung der Artefakte. Der performative Handlungsaspekt der Waldkunstwerke ist der Theaterwissenschaftlerin und Anthropologin Ute Ritschel besonders wichtig. Fast nebenbei ist dabei auch vieles über die Natur zu lernen bzw. wieder zu entdecken.

Ute Ritschel ist eine erstaunliche Frau mit enormer Integrationskraft, Mut und pädagogischem Anspruch. Obwohl für jedermann ansprechbar und in ihrer Art ganz natürlich, weiß sie sehr genau, was sie will. Und sie vermag zu begeistern.

Später führte die Kuratorin unsere Gruppe auch durch den Waldkunstpfad. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus: so begegneten wir beispielsweise einer schwebenden Holz-Hütte, einem großen Holz-U-Boot oder einem Baumstamm-Saiten-Klanginstrument. Wie konnten diese Artefakte hier entstehen oder teils in Schwindel erregende Baumhöhen verbracht werden? Vor allem wunderte mich die Tatsache, dass all diese Dinge überhaupt möglich sind!

Da Frau Ritschel sehr gut vernetzt und das Projekt finanziell wie international erfolgreich ist, kann es schon vorkommen, dass sie in China einen österreichischen Künstler kennen lernt, der dann im Darmstädter Waldkunstpfad eine Arbeit realisiert.

Oben: „Barre – Kathedrale des Lichts“ von Jens J. Meyer mit Teilnehmern der Exkursion (rechts). Mitte: Ute Ritschel, Initiatorin und Organisatorin des Internationalen Waldkunstpfades (links), „Luftschloss“ von Anne Berlit (rechts). Unten: „The Sound of a Hundred Years Darmstadt – Kayageum“ von Ko Seung Hyun und (v.l.n.r.) Ute Ritschel, Ulf Kilian und Tobias Schnotale (links), „Fossil“ von Massimo De Giovanni, Teilnehmer der Exkursion und Ute Ritschel im Vordergrund (rechts). Fotos: Jochen Rahe (obere und mittlere Reihe), Petra Schwerdtner (untere Reihe)

Das "Osthang-Projekt" – Treffen im Holzpavillon Mathildenhöhe (Ostseite, Olbrichweg)

Vortrag von Professor Kerstin Schultz zum Architektursommer 2014

So rasch verging die Zeit, dass wir Mühe hatten, rechtzeitig unseren zweiten Veranstaltungsort zu erreichen, wo Professor Kerstin Schultz schon auf uns wartete. Nur mit Hilfe eines kleinen Vereins hatte die Gestaltungsprofessorin der Hochschule Darmstadt im Rahmen des Darmstädter Architektursommers 2014 das "Osthang Projekt" ins Leben gerufen. Auf der Ostseite der Darmstädter Mathildenhöhe, am Olbrichweg, wurde in Eigeninitiative ein jahrzehntelang brach liegendes Gelände erschlossen, zugänglich gemacht und darauf ein großer Holzpavillon errichtet, der für mehrere hundert Personen – Studenten, Lehrende, Gäste und Interessierte – anschließend als Herzstück, Haupttreffpunkt und Vorlesungssaal im mehrwöchigen Projekt diente.

Der begeisternde und sympathische Vortrag von Professor Kerstin Schultz vermittelte eine Fülle erstaunlicher Ereignisse. Da stemmt ein kleiner Verein alleine mit professioneller Projektleitung und entgegen aller behördlichen und sonstigen Widerstände ein solch gewaltiges Projekt! Thema war die interdisziplinäre Fragestellung "Wie wollen wir miteinander leben?"

Dieses Projekt war so erfolgreich, dass es weit über die Region hinaus ausstrahlte. Die ursprüngliche Idee der Künstlerkolonie Mathildenhöhe wurde hier in neuer Weise und auf hohem Niveau wiederbelebt. Es entstand eine ressourcen- und kostenschonend sowie nachhaltig konzipierte Anlage.

Dieser heitere Tag machte begründeten Mut, auch scheinbar Unmögliches zu wagen.

Tobias Schnotale

Nähere Informationen: iwz.waldkunst.com und www.osthang-project.org/about