2015

Kulturstiftung für die Bergstraße vergibt Metzendorfpreis 2015

Deutscher Werkbund DWB Hessen ist zusammen mit dem Bund Deutscher Architekten BDA Hessen Partner der „Kulturstiftung für die Bergstraße“ – bei der Gründung und erstmaligen Vergabe des Heinrich- und Georg-Metzendorf-Preises für Baukultur.

Die Kulturstiftung für die Bergstraße wurde 2008 durch eine Initiative der Stadt Zwingenberg gegründet. Stifter sind bisher neben der Stadt Zwingenberg die Gemeinde Alsbach-Hähnlein, die Sparkassen Bensheim und Darmstadt, die GGEW (Gruppen-Gas- und Elektrizitätswerk) AG Bensheim und die beiden Zwingenberger Unternehmen BRAIN AG und SurTec GmbH.

Durch Veranstaltungen und Publikationen will die Stiftung Bewusstsein und Anregung für ein hohes Niveau von Kultur an der Bergstraße schaffen. Ein erster Schwerpunkt sind die Themen Architektur und Stadtgestalt im Zusammenhang mit der Landschaft. Dazu hat es bereits eine Reihe von Aktivitäten gegeben: der Fotowettbewerb „Stadtblicke schärfen“, die Veranstaltungsreihe „Bauen, Wohnen, Leben an der Bergstraße“, die Unterstützung der Metzendorf-Monografie „Lebensräume gestalten“ oder das Projekt „Terroir“, Entwürfe für ein Weinberghaus als Kommunikationsort als Semesterarbeiten von Studenten der Technischen Universität Darmstadt.

Jüngstes Projekt ist, angeregt durch die vier Architekturplaketten des hessischen BDA, die Gründung und Vergabe des Heinrich-und-Georg-Metzendorf-Preises für Baukultur. Der Preis will mit Architekturqualität zugleich die Verbindung zum Städtebau, zur Landschaft wie auch zur Infrastruktur und zu technischen Bauwerken an der Bergstraße aufzeigen und prämiieren. Erstes Thema („Neues Leben für alte Mauern“) war Bauen im Bestand, also An- und Umbauten, Sanierung und Restaurierung von Gebäuden und Ensembles.

Bei der Preisverleihung: Prof. Dr. Joachim Felix Leonhard von der Kulturstiftung für die Bergstraße hat Gewinner Marcus Hille die Urkunde überreicht. Vorne im Bild ist die Metzendorf-Plakette zu sehen. Foto: Marc Fippel

Es wurden 11 Projekte eingereicht. Insgesamt war das dargestellte bauliche und planerische Niveau sehr hoch. Die Jury (Vorsitz Dipl.Ing. Susanne Wartzeck, BDA Hessen, Prof. J. F. Leonhard, Prof. Dipl.Ing. W. Christ, Dipl.Ing. J. Klie, BDA Hessen, Prof. Dipl.Ing. A. Reichel, DWB Hessen, Soz. M.A. J. Rahe und G. Küffner, Journalist FAZ) entschied sich schließlich für das in das Schulgebäude integrierte neue Lernzentrum der Liebfrauenschule in Bensheim des Architekten Dipl.Ing. Marcus Hille, Mainz. Bauherr: Bistum Mainz. Zwei besondere Anerkennungen wurden ausgesprochen für das private Wohnhaus L. in Seeheim (Schauer und Volhard, Architekten, Darmstadt) und für das sogenannte „Russenhaus“, ein kleines, im ehemaligen Gesindehaus neu eingerichtetes Museum zur Geschichte von Schloss Heiligenberg oberhalb von Jugenheim (Architekturbüro Kaffenberger, Reinheim)

Lernzentrum Liebfrauenschule Bensheim: Unterer Eingang (links), Lernzentrum Liebfrauenschule Bensheim: Städtebauliche Einbindung (rechts), Abbildungen: Hille Architekten + Stadtplaner BDA

In der Jurybegründung für das Lernzentrum der Liebfrauenschule, dem Metzendorf-Preis, heißt es: „Es nimmt dabei ganz selbstverständlich bestehende räumliche Achsen auf und entwickelt neue Blickbeziehungen. Sorgsam im Umgang mit der Umgebung entsteht eine neue Urbanität und angenehme Verdichtung; der Ort wird im besten Sinne weitergebaut. Mit einem solchen Gebäudeensemble gelingt es in vorbildlicher Weise, historische Spuren lesbar und erlebbar zu machen und neue Spuren als Stadtbaustein hinzuzufügen.“ 

Der Metzendorf-Preis soll voraussichtlich alle drei Jahre ausgeschrieben werden.

Jochen Rahe DWB

Neue Verantwortungen. Gesellschaft – Gemeinwohl – Gestaltung

Interdisziplinäres Sommercamp 2015 im Schader-Forum in Darmstadt

 

Veranstalter des Sommercamps waren die Schader-Stiftung, die ZEIT-Stiftung, der Werkbund Baden-Württemberg, der Werkbund Hessen, die SRL – Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung sowie die Akademie der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen.

 

Zwanzig junge Menschen entwickelten vom 30. Juli bis 2. August 2015 im Schader-Forum Dialogprojekte. Unter dem Titel „Neue Verantwortungen – Gesellschaft, Gemeinwohl, Gestaltung“ hatten sie sich für das viertägige Sommercamp beworben und waren unter einer großen Anzahl von Mitbewerbern ausgewählt worden. 

Zwölf Frauen und acht Männer zwischen 22 und 35 Jahren nahmen am Sommercamp teil. Sie entstammen als Studierende, Promovierende oder junge Berufstätige vielfältigen Disziplinen: Sozial- und Kulturwissenschaften waren ebenso vertreten wie Stadt- und Regionalplanung oder Architektur. Aber auch eine Studentin der Dramaturgie, ein Forstingenieur, eine Geographin sowie ein Sozialpädagoge waren mit dabei. Die vier Gruppen wurden unterstützt von Frauke Burgdorff (Montag Stiftung Urbane Räume, Bonn), Dana Giesecke (Futurzwei. Stiftung Zukunftsfähigkeit, Berlin), Julian Petrin (Think Tank Nexthamburg, Hamburg) und Christian Thiel (LSE Enterprise Germany, Berlin).

Die Ergebnisse ihrer Arbeit stellten die Teilnehmenden des Sommercamps am letzten Tag vor. Eine Jury, bestehend aus den Veranstaltern des Sommercamps, wählte aus den vier Projektvorschlägen eines aus, dessen Umsetzung tatkräftig unterstützt werden soll; die Gruppe um Julian Petrin mit ihrem Projekt „Land.Schafft.Zukunft“.

Das Projekt schlägt in drei Phasen die Etablierung eines Stipendienprogramms für Orte in ländlichen Regionen vor. Stipendiaten mit besonderen Fähigkeiten, Elan und Esprit sollen Dialogprozesse anstoßen, die den jeweiligen Ort beleben, bestehende Probleme angehen und dadurch vermittelt die Übernahme von Verantwortung durch die Akteure und Bewohner vor Ort fördern.

Letztlich, so die aus den Veranstaltern besetzte Jury, hat nicht nur diese Gruppe, sondern alle Teilnehmenden des Sommercamps gewonnen, die sich an diesem ausgezeichneten Projekt beteiligen können. Die Teilnehmenden lobten die intensive, stark thematisch orientierte, zugleich interdisziplinäre Zusammenarbeit während dieser vier Tage, auch wenn die Zusammenarbeit komplex angelegt war. „Es war ein Anfang mit Krise“, so eine Teilnehmerin, „Leute, die sich nicht kennen, die kein Thema genannt bekommen, sollen gemeinsam ein Projekt entwickeln. Damit muss man erst einmal klar kommen.“

Kirsten Mensch leitete das Sommercamp seitens der Schader-Stiftung und weiß, dass man den Teilnehmenden viel abverlangt: „Das muss auch so sein. Die jungen Menschen machen hier Erfahrungen in intensiver, zudem interdisziplinärer Zusammenarbeit, die sie woanders selten finden können. Diese Erfahrung wird ihnen in ihrem weiteren Berufsweg sicherlich helfen können.“

(Pressemitteilung der Schader-Stiftung)

Weitere Informationen zum Sommercamp finden Sie im Internet unter

www.schader-stiftung.de/sommercamp2015/

2011

Werkbundtag 2011

Der Deutsche Werkbundtag 2011 unter dem Motto »leben // gestalten« fand vom 16. bis 18. September 2011 in Frankfurt am Main im neuen Hörsaalzentrum der Goethe-Universität, Campus Westend statt. In einem interdisziplinär besetzten Kongress wurden zentrale Gesellschaftsfragen des beginnenden 21. Jahrhunderts unter einem erweiterten Gestaltungsbegriff thematisiert.

Die Dokumentation des Werkbundtages 2011 »leben // gestalten« ist erschienen »

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Architektursommer Rhein Main 2011

Der Werkbund Hessen präsentiert sich im Architektursommer Rhein Main 2011, der in diesem Jahr zum ersten Mal gemeinsam mit den Städten Darmstadt, Frankfurt und Offenbach am Main, sowie Wiesbaden von April bis Ende September veranstaltet wird, mit fünf interdisziplinären Veranstaltungsformaten. Neben dem Werkbund Hessen, der einige Projekte in Kooperation mit der Goethe-Universität und der Fachhochschule Frankfurt durchführt, nehmen an dem Architektursommer in Frankfurt auch das Dezernat IV (Planen, Bauen, Wohnen und Grundbesitz) der Stadt Frankfurt, der BDA (Bund Deutscher Architekten) Frankfurt und der AIV (Architekten- und Ingenieur Verein) Frankfurt teil.

Das Jahresprogramm des Werkbund Hessen bietet in diesem Rahmen ein breit gefächertes Veranstaltungsangebot, dass auch Mitgliedern und Gästen Gelegenheit für Beiträge gibt.

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2010

Stadtzentraler innovativer Verkaufsort für die guten Grund-Lebens-Mittel

Kooperationsprojekt des DWB Hessen mit dem mittelständischen Handelsunternehmen tegut…, unter Einbeziehung von hessischen Design-Hochschulen

Die Orte des Verkaufs und die künftige Märktepolitik bildeten den Ausgang für das Projekt „Stadtzentraler innovativer Verkaufsort für die guten Grund-Lebens-Mittel“. Auf einer Diskussionsveranstaltung mit dem Vorstand von tegut… im September 2008 in Frankfurt am Main wurde die Idee geboren, gemeinsam Ideen zur Verbesserung der  unterversorgten Orte im ländlichen Raum bzw. in den Wohngebieten der Städte zu leisten. Dazu sollte prototypisch ein wohnortnaher nicht primär autoorientierter Verkaufsort entwickelt werden. Zwei Design-Professorinnen waren im Publikum und damit war ein studentisches Projekt eingeleitet, das sich mit dieser Fragestellung befasst. Es wurden in Folge unter der Moderation des DWB Lehrende und Lernende aus drei Design-Fachbereichen hessischer Hochschulen (Kommunikationsdesigner der Hochschule Darmstadt in Betreuung von Prof. Sabine Zimmermann, Industrialdesigner aus der Hochschule für Gestaltung Offenbach in Betreuung von Prof. Petra Kellner und der Kunsthochschule Kassel in Betreuung von Prof. Hardy Fischer und Künstl. Mitarb. Ute Sickinger) gewonnen für die Teilnahme an einem Ideenfindungsverfahren zum Thema.

„Stadtzentraler innovativer Verkaufsort für die guten Grund-Lebens-Mittel“.

Fast 40 StudentInnen nahmen teil. Es wurde kein Wettbewerb mit einem fixierten Thema und einer festen Jury, die Preise vergibt, ausgeschrieben, sondern ein Brainstorming-Parcour mit Rahmensetzungen eingeleitet, ohne eng eingegrenztes Thema, und mit einem Begleitgremium, das die Würdigung der Arbeiten während des Prozesses und im Ergebnis vornahm.

Das Gesamt-Ergebnis ist mehr als erfrischend. Von intelligenten konsumkritischen Textinterventionen als „Beilage“ im Warenregal seitens der Kommunikationsdesigner bis zu Verkaufs- und Gestaltungskonzepten für einen „Tante-Scänna“-Laden seitens der Produktdesigner reichen die über zwanzig Beiträge. An einigen Ergebnissen soll weiter gearbeitet werden – es wird seitens des Unternehmens zusammen mit einem Lieferanten die Auflegung eines Prototypen einer neuen Ladentheke erwogen oder eine veredelte Verkaufskiste probeweise in Kleinserie aufgelegt.

Das Unternehmen ist mit dem Prozess des Austausches und den Ergebnissen mehr als zufrieden: es ist an einer langfristigen weiteren Kooperation interessiert, es wurde Neuland beschritten.

Der DWB Hessen folgert:

- ein Unternehmen hat Studierenden einen tiefen Einblick in seine Unternehmenskultur ermöglicht und im Prozess mit ihnen anregend kommuniziert

- der DWB ist seitens eines Unternehmens als interessanter Moderator für  Ideengebung wahrgenommen worden und optional als langfristiger Partner gewonnen.

- der Nachwuchs bei den Designstudenten hat einen DWB in work wahrgenommen, was eine gute Background-Erfahrung für potentielle spätere Mitmacher in unserem Zusammenschluss sein kann.

Hier ist ein Pilotprojekt angelegt worden, dass seine Nachahmer finden sollte.

Es wird jetzt vom Werkbund Hessen überlegt, mit welchen weiteren Unternehmen vergleichbare Verfahren eingeleitet werden sollten.

2009

Wohnen heute

Im Oktober 2009 wird der 80. Jahrestag des „Zweiten Internationalen Kongresses für Neues Bauen“ (CIAM II) gefeiert werden, der vom 24. bis 26. Oktober 1929 unter der Federführung von Ernst May in Frankfurt am Main stattgefunden hat. An dieser Veranstaltung, die unter dem Thema „Die Wohnung für das Existenzminimum“ stand, nahmen Fachleute aus 18 Ländern teil. Sie erörterten die Anforderungen an einen zeitgemäßen, funktional wie technisch angemessenen und ökonomisch erschwinglichen Wohnungsbau für die breite Bevölkerungsmehrheit.

In Zusammenarbeit mit der ernst-may-gesellschaft e.V. und dem Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe-Universität wird der Deutsche Werkbund Hessen an dieses wichtige Ereignis erinnern und vom 22. bis 24. Oktober 2009 eine dreitägigen Veranstaltung zum Thema „1929 – Das Neue Wohnen – 2009“ ausrichten.

Gleichzeitig ist dieses für den Deutschen Werkbund Hessen der Anlass, sich in einem umfassenderen Sinne mit der Thematik „Wohnen heute“ durch eine entsprechende Schwerpunktsetzung in seinem Jahresprogramm 2009/10 zu widmen. Die Themen möglicher Veranstaltungen und Projekte sollen dabei umfassen:

 _ architektonische und städtebauliche,

_ technische und energetische,

_ soziale und ökonomische,

_ demographische,

_ künstlerische, kulturelle und philosophische Aspekte des Wohnens.

Dabei sind alle im Deutschen Werkbund vertretenen Disziplinen angesprochen: Architekten, Stadtplaner, Designer, Künstler, Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler und andere, mit ihren jeweils unterschiedlichen, theoretischen, praktischen oder künstlerischen Annäherungen an das Thema Wohnen.

Im Zusammenhang mit diesem Projekt sind folgende Publikationen erschienen:

"Wohnen, aber wie?"

"Die Wohnung für das Existenzminimum"

sowie die Dokumentation des Kongresses vom 22. bis 24. Oktober 2009:

"Neues Wohnen 1929/2009 – Frankfurt und der 2. Congrès International d’Architecture Moderne"

 

2005 – 2007

Wandel des öffentlichen Raums

Im Mittelpunkt der Projektarbeit 2005-2007 des Deutschen Werkbunds Hessen steht der Themenkomplex „Wandel des öffentlichen Raums“. Die Ergebnisse sollen in die Veranstaltungen des Werkbund-Jubiläumsjahres 2007 einmünden.

Begriffe und Vorstellungen von Öffentlichkeit und öffentlichem Raum sind heute tief greifenden Veränderungen unterworfen. Längst beschränkt sich Öffentlichkeit nicht mehr auf die „klassische“ Öffentlichkeit – im Gegensatz zur Privatheit – als Kategorie der bürgerlichen Stadt, im Sinne von Bahrdt oder Habermas. Aus dem „Markt“, als Sinnbild des Austauschs von Waren und Informationen unter kommunaler Kontrolle, ist vielfach eine „inszenierte“ Öffentlichkeit in privater Hand geworden (z.B. in Form der sog. Urban Entertainment Centers) – und auch der öffentliche Raum ist nicht einfach mehr gleichzusetzen mit dem physischen städtischen Außenraum, als einem von den privaten Gebäuden der Stadt umfassten und gestalteten, dauerhaften Behälter für öffentliches Leben und gemeinschaftliche Kommunikation.

Veränderte Lebens- und Arbeitsstile, Wandlungen von Kultur und Freizeit, die zunehmende Kommerzialisierung aller Bereiche des Lebens, eine beschleunigte Mobilität und wachsende mediale Vernetzung, Prozesse der weltweiten Globalisierung und andere Entwicklungen mehr führen zu veränderten Erscheinungsformen, Vorstellungen und Begrifflichkeiten von Öffentlichkeit. Dabei manifestieren und artikulieren sich all diese Phänomene des sozialen, kulturellen und ökonomischen Wandels auch ganz unmittelbar im physischen, architektonischen und städtebaulichen Raum.

In seinem Veranstaltungsprogramm 2005-2007 möchte sich der DWB Hessen schwerpunktmäßig diesen unser gesellschaftliches Leben so maßgeblich mitbestimmenden Aspekten nähern. Die Auseinandersetzung kann und darf dabei nicht allein räumlich-gestalterische Aspekte in den Vordergrund rücken, sondern muss über den – gebauten und. geplanten – physischen Raum hinaus insbesondere auch soziale, kulturelle, politische, ökonomische und ökologische Bestimmungsfaktoren von Öffentlichkeit und von in Veränderung befindlichen öffentlichen Lebenswelten thematisieren, analysieren und diskutieren.

Angesichts der Komplexität des Themas lassen sich die Fragen nicht pauschal stellen und die Ant-worten auch nicht generell geben; ein solches Ansinnen wäre vermessen. Deshalb wird eher eine „induktive“ Vorgehensweise angestrebt, von einzelnen Fallbeispielen ausgehend, vornehmlich aus dem Umfeld des Lokalen (der Stadt Frankfurt, der Region Rhein-Main...), ohne jedoch auf Vergleiche, Ausblicke, theoretische Versuche zum Grundsätzlicheren und übergeordneten Ganzen zu verzichten – denn auch das induktive Vorgehen hat letztlich das Ziel zu zusammenführenden Aussagen zu gelangen. Diese Auseinandersetzung mit konkreten Fallbeispielen soll, in einer ersten Näherung, durch eine Fokussierung auf drei inhaltliche Schwerpunkte erfolgen, die im Gesamtzeitraum 2005-2007 sukzessive in drei Etappen thematisiert werden:

2006/07 - Neue öffentliche Räume jenseits der Stadt

Vielerorts wachsen die Städte heute zu weitläufigen urbanen Agglomerationen zusammen, wie z.B. auch in der Stadtregion Rhein-Main. Die traditionelle Dualität von „Stadt“ und „Land“ wird dabei zunehmend aufgehoben; stattdessen entwickelt sich ein Siedlungskontinuum, welches das in unseren Köpfen noch vorherrschende, historisch bedingte „Bild“ von Stadt grundlegend in Frage stellt. Die vormals eindeutige Beziehungslogik von dominantem „Zentrum“ und abhängiger „Peripherie“ geht verloren; während sich die Ränder verdichten, entdichtet sich die (historische) Mitte. Das traditionelle Zentrum wird seiner Funktion als vorrangiger Fokus der Stadtstruktur beraubt. Es entstehen vielfältige neue, differenzierte „Zentren“ und Aktivitätsknoten – unterschiedlicher Ausprägungen und Funktionen – als eher „dezentrale“ Brennpunkte des Alltags im erweiterten Raum der Region: Konsumwelten des großflächigen Einzelhandels, Mega-Malls, Freizeit- und Erlebniszentren auf der grünen Wiese, formelle und auch informelle Orte im Spannungsfeld von globalen und lokalen Lebenswelten.

2005/06 - Sphären und Räume städtischer Öffentlichkeit

Die vormalig eindeutigen Grenzen von „Öffentlichkeit“ und „Privatheit“ in der Stadt verschieben sich, die Übergänge werden fließender. Der Privatisierung von öffentlichen Räumen (Gated Shopping, Sicherheitsdienste, Videoüberwachung...) steht zunehmend eine voyeuristische Ver-Öffentlichung von Privaträumen gegenüber, etwa durch Webcams und Internet. Gleichzeitig bilden sich neue, ihrerseits abgegrenzte Formen von (Teil-)Öffentlichkeiten heraus – sozial (stigmatisierte Wohnquar-tiere), ethnisch-kulturell (Migranten-Enklaven), ökonomisch (In-Treffs der New Economy) oder auch virtuell bestimmt (Chat-Rooms und Internetforen). Urbane Event-Kulturen, die „Festivalisierung“ der Städte und andere Formen einer vordergründigen Mega-Öffentlichkeit, wie Stadtfeste, Museumsfeste und sonstige Open-Air-Veranstaltungen, dienen in erster Linie kommerziellen Interessen und Strategien einer ökonomischen Positionierung der betreffenden Stadt. „Schrumpfende“ Städte und die lebensräumliche Verteilung einer vormals in der „alten“ Stadt konzentrierten Nutzungsvielfalt auf ein heute viel weitläufigeres, regionales Territorium führen ihrerseits zu einem weiteren Rückgang von urbanen Öffentlichkeitspotentialen.

2005 - Urbane Landschafts-Räume

In einer zunehmend urbanisierten, regionalen Städte-Landschaft gewinnen die Frei- und Zwischenräume – zwischen dem „Patchwork“ der Siedlungsflächen – heute eine ganz neue „öffentliche“ Bedeutung: als dezentrale Park-Landschaften, Freizeit-Räume, ökologische Ausgleichsräume, aber auch Kultur-Landschaften, Erlebnis-Räume, Kunst-Räume... Urbane Landschaften haben die „Last“ der städtischen Freizeit zu übernehmen, können aber auch – als „verbindendes“ Element – wichtige Potentiale für eine künftige regionale Identität in sich bergen, wie z.B. das Projekt des Regionalparks Rhein-Main. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach dem angestrebten Grad an „Formalisierung“ und „Inszenierung“ dieser urbanen Landschafts-Räume – nach dem Wechselspiel von „formellen“ und „informellen“ Orten, von künstlicher/künstlerischer Inszenierung und „neuen Wildnissen“, um damit auch der Gefahr entgegen zu treten, dass die Landschaft in zunehmendem Maße, wie die städtischen Räume, nur noch als ein „Vermarktungs-Event“ gesehen und verbraucht wird.

Der schnelle Wandel

Hinzu kommt – auf allen drei Betrachtungsebenen – der schnelle Wandel und vielfach die Kurzlebigkeit der beschriebenen Phänomene. Öffentlichkeit erweist sich mehr und mehr als eine „handlungsbezogene“ Kategorie, die sich damit von dauerhaft festgelegten Orten und Räumen befreit. Öffentlichkeit „wandert“, verändert sich, richtet sich dort ein, wo – spontan oder bewusst inszeniert – Platz ist für die jeweils spezifischen Gebrauchsweisen.

 

Als Publikation zu diesem Themenkomplex erschien der Band:

"Orte öffentlichen Lebens in der Stadtregion"