Geschichte des Deutschen Werkbund Sachsen e.V.


Den entscheidenden Anstoß zur Gründung des Deutschen Werkbundes gab die

 "3. Deutsche Kunstgewerbeausstellung Dresden 1906". Hier hatten sich Deutsche Raum-künstler gemeinsam mit innovativen Unternehmen gemeinsam präsentiert. Der Erfolg der Ausstellung und die Widerstände gegen diese neuartige Zusammenarbeit führte dann 1907 in München zur Gründung des Deutschen Werkbundes. Er verstand sich als Plattform für die Reform im Kunstgewerbe und der Architektur. Sein erklärtes Ziel war die „Veredelung der gewerblichen Arbeit“, mit der Absicht, die Wettbewerbsbedingungen „deutscher Qualitäts-arbeit“ auf dem Weltmarkt zu verbessern. Die Reformbewegung um 1900 erhielt dadurch ein geistiges Zentrum. In die Aktivitäten zur Gründung und in die Projekte der ersten Jahre waren Künstler, Unternehmer und Kulturpolitiker aus Sachsen an vorderster Stelle involviert: der Fabrikant Karl Schmidt, die damals in Dresden tätigen Richard Riemerschmid, der Architekt, Grafiker und Hochschullehrer Fritz Schumacher sowie der Politiker Friedrich Naumann. In größerer Zahl waren auch Leipziger Künstler, Kunstwissenschaftler und Unternehmer, mit dem Direktor des Grassimuseums Richard Graul an der Spitze, sowie Architekten, Künstler, Verleger und Druckunternehmen involviert.

 

Die Gründung der Gartenstadt Hellerau ist Teil der Gründungsgeschichte des Deutschen Werkbundes. Karl Schmidt und sein Architekt Richard Riemerschmid entwickelten die Idee für die Gründung von Hellerau mit dem neuen Standort der Deutschen Werkstätten und der Gartenstadt. Friedrich Naumann war hierbei von Anbeginn beratend tätig und vermittelte seinen engen Mitarbeiter Wolf Dohrn als Koordinator des Projektes nach Dresden. Dohrn wurde erster Geschäftsführer des Werkbundes. Mit seiner Übersiedlung nach Dresden wurde auch die Geschäftsstelle der Vereinigung nach Dresden verlagert.

 

Hellerau wurde dadurch zum ersten gewichtigen Modellvorhaben des Werkbundes. Auch in Leipzig spielte der Werkbund anfangs eine bedeutende Rolle.

 

Hier war der Direktor des Grassimuseums, Richard Graul, der Impulsgeber.  Er hatte den aus den aus München kommenden jungen Architekten Fritz Schumacher angeregt,  zum 25. Jahrestag des Museums ein Festspiel über den Stilwandel und Ideen für eine neue Formenkultur in Deutschland zu schreiben. Aufgrund der erfolgreichen Aufführungen wurde Schumacher als Professor nach Dresden berufen und wurde hier im Kreis seiner Künstlerfreunde einer der wichtigsten Akteure der Reformbewegung der Zeit nach 1900. Als Vertreter der Künstler und Architekten hielt er eine der beiden programmatischen Reden der Münchner Gründungsveranstaltung des Deutschen Werkbundes.

 

Schon bei der Jahrestagung des Bundes 1914 in Köln war auch öffentlich deutlich geworden, dass unter dem Dach des Werkbundes zwei Grundtendenzen der zukünftigen Entwicklung gestalterischer Tätigkeit vereinigt waren. Der Protagonist der einen war Hermann Muthesius, der in der Gestaltung für die industrielle Maschinenproduktion die Zukunft sah. Wortführer der anderen war Henry van de Velde, der für das handwerklich geschaffene künstlerische Unikat stritt. Beiden Linien gemeinsam war der hohe Anspruch an die gestalterische und funktionale Qualität der geschaffenen Gegenstände und Gebäude.

 

Die erste Linie verfolgte das Bauhaus Dessau, nach einem handwerklich expressiven Beginn in Weimar und schuf einen auf Geometrie und Primärfarben basierenden "Internationalen Stil", der in den folgenden Jahrzehnten die Gestaltungskultur auf allen Kontinenten beeinflusste. Einige Vertreter der handwerklich orientierten Linie im Werkbund unterlagen nationalistischem Gedankengut. 1933 wurde das Bauhaus verboten. Danach endeten auch die Aktivitäten des Deutschen Werkbundes.

 

Erst nach 1945 entsteht der Werkbund auf Landes- und Bundesebene erneut, doch nicht auf dem Gebiet der späteren DDR. Die jahrzehntelange Unterbrechung in Sachsen endete nach 1990 mit der Berufung von drei Sachsen in den Werkbund Rheinland-Pfalz: Volker Berthold aus Dresden sowie Peter Guth und Bernd Sikora aus Leipzig. Sie wurden gemeinsam mit Mitgliedern des Dresdner »baubundes« und den Leipziger Aktionsgruppen »Volksbaukonferenz«, »Neue Ufer« und der Initiative zur Rettung des Leipziger Waldstraßenviertels zu den Initiatoren der Gründung des Deutschen Werkbundes Sachsen e. V. Sie erfolgte am 6. März 1992 im Grassimuseum Leipzig. Die Themen dieser Gruppen aus der »Wendebewegung« und das Bedürfnis, die aus dem Blick geratene sächsische Werkbundtradition wieder öffentlich zu machen, bestimmen die ersten Jahre der Projekte des sächsischen Werkbundes: der Erhalt der Kulturdenkmale vor allem im Bereich des Industriebaus und der Architektur der Moderne sowie der Erhalt von verfallenden Stadtquartieren. Bald erweitert sich das Spektrum um die neue Architektur in Sachsen, die Probleme der Braunkohlefolgelandschaften und zunehmend auch um Fragen der Bildung. Dazu entstanden erste Ausstellungen, die um die Themen Bahnbrücken, Aussichtstürme, Werksiedlungen und Bauten der »roten« und »weißen« Moderne ergänzt wurden. Zusammen mit dem Tanztheater Irina Pauls entstand die Theaterproduktion »Südraum«. In Zusammenarbeit mit Verlagen wurde der Werkbund Sachsen Herausgeber wichtiger Publikationen beispielsweise zur Industriearchitektur in Sachsen, über Heinrich Tessenow, Wilhelm Ostwald und die »Goldenen Zwanziger« der Architektur in Chemnitz. Er unterstützte Bürgerinitiativen und veranstaltete Symposien, auch im ländlichen Raum. Die Arbeit der ersten Jahre wurden in den Werkberichten 1, 2 und 3 dokumentiert.

 

1997 ergab sich die Möglichkeit, das von der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Werkbundes nicht genutzte »Werkbundhaus«, das östlichste Pensionshaus auf dem Festspielhausgelände in Dresden-Hellerau zu betreuen. Der Aufbau eines eigenständigen "Werkbundhauses" wurde von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Wüstenrot Stiftung unterstützt. Die Geschäftstelle wurde von Leipzig nach Dresden verlegt. Die Arbeitsakzente lagen seither in Dresden. Seit mehreren Jahren ist der Werkbund Sachsen auch international aktiv. Der Deutsche Werkbundtag fand zweimal, 1999 und 2006 in Hellerau statt.

 

Der DWB e. V. war 2007 zum einhundertsten Jahr nach seiner Gründung, erneut vor enorme Herausforderungen gestellt. Er musste sich den aktuellen Entwicklungen stellen und seine Struktur und seine inhaltlichen Ziele profilieren.

 

Der Deutsche Werkbund Sachsen stellte sich auf sächsischem Gebiet in den Jahren 2007 bis 2009 dieser Herausforderung mit dem Projekt „Umbruch gestalten“ und in Kooperation mit dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau mit dem Symposion und Ausstellungsvorhaben „Gute Form für jedermann?“. Dabei hat er innovative Konzepte entwickelt und moderiert und für sie durch Ausstellungen und Publikationen Öffentlichkeit hergestellt. Auch zukünftig werden Themen der Bildung und Forschung in Verbindung mit Gestaltungsaufgaben der gegenständlichen Welt sowie die Auswirkung der digitalen Technik auf Gestaltung und Kommunikation einen Schwerpunkt der Projekte des Deutschen Werkbundes Sachsen bilden.