Oleofaktum

von Michael Andritzky

 

Walter Bitzer ist „Ölmüller“ in alter Tradition. Wer kennt diese Berufsbezeichnung eigentlich heute noch?

Er führt einen einsamen Kampf gegen die Industrialisierung der Fettversorgung und die Minderung von Qualität durch ölgnadenlosen Preiskampf sowie die Defizite des Verbraucherbewusstseins.

Wer weiß eigentlich noch etwas von der ernährungsphysiologischen Bedeutung einer gesunden Fettversorgung, wenn er bei Aldi ins Regal greift? (Defizit an „Ölbewusstsein“)

Sein bundesweit einmaliges Konzept, das er im Oleofaktum in Offenburg praktiziert, ist die Produktion und der Vertrieb von frisch gepressten Bio-Speiseölen.

Es ist ein veritables Erlebnis, ihn im Oleofaktum zu besuchen und zu erleben, wie die unterschiedlichsten Öle aus den diversen Ölfrüchten frisch gepresst werden in einer „gläsernen Produktion“.

Zu seinen Ölen gehört auch, wie er selbst sagt: „Aufklärung aus kulturhistorischer , aus soziologischer und ernährungsphysiologischer Sicht.“

Wo sonst ließe sich das in der Lebensmittelindustrie behaupten?

Aber es gibt auch einen wissenschaftlichen Hintergrund: Mitverursacher vieler Zivilisationskrankheiten (Herz-Kreislauf, Arteriosklerose, Rheuma, Krebs) ist der Verzehr synthetischer Fette, wie Raps- und Distelöl, die mit riesigen Etats beworben werden.

Früher lag die Ölherstellung in der Hand von verantwortungsbewussten Handwerksbetrieben

Der Ölmüller. Industriell hergestellte Speiseöle haben damit nichts mehr zu tun.

Walter Bitzer verbindet mit dem Thema Öl, wie er selbst sagt, wieder Ethos, Demut und Moral.

Dies entspricht der alten Maxime des gerade 100 Jahre alt gewordenen Werkbundes, der sich zwar nicht mit Speiseöl, dafür aber mit der gleichen Argumentation einer humanen Produktion der Lebensumwelt des Menschen in der Industriegesellschaft befasst hat.

Deshalb zeichnen wir heute Walter Bitzer aus.

 

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