Weltverbesserer und wir.ag

von Alexander Grünenwald

 

Im August 2006 erfuhr ich von einem abenteuerlichen Vorhaben zweier HFG- Absolventinnen, die bereits im Studium eine wir. ag gegründet hatten und sich zur Diplomarbeit vorgenommen hatten, aus rund 100 Bewerbern 40 Weltverbesserer ausfindig zu machen, diese nicht etwa in Anlehnung an Jules Vernes Roman innerhalb 40 Tagen um die halbe Welt zu bringen, sondern Sie im knackigen Interview nach ihrem persönlichen Anliegen zu befragen, für ihr Anliegen innerhalb einem Tag ein jeweils ganz eigenes Grafik-Design zu gestalten, dieses den Weltverbesserern (natürlich zwecks Weltverbesserung) als vervielfältigtes Druckprodukt zur Verfügung zu stellen und dabei auch noch 40 Tage den Prozess mit allen Höhen und Tiefen zu beforschen - also filmisch zu dokumentieren, in Form von Fragebögen auszuwerten, – die Reaktionen der fiktiven Auftraggeber aber auch sich selbst mit allen Stimmungen und Befindlichkeiten dabei festzuhalten.

 

Dieser sog. „Grafik-Marathon“ war nicht nur ein spektakuläres Unternehmen mit vollem Risiko in alle Richtungen; um die Spannung zu erhöhen, wurden täglich alle Ergebnisse einschließlich Tageslosungen ins Netz gestellt und aller Welt zur Beobachtung ausdrücklich angeboten. Alles lief in Echtzeit ab, nichts wurde vertuscht.

 

Heraus kamen:

Phantastische Ergebnisse, unterschiedlichste Projekte, lustig bis schwer, bedenkenswert bis bedrückend, hilfreich oder anrührend, skuril oder auch verrückt.

Auf alle Fälle: erstaunlich kreative und höchst individuelle Druckprodukte in schwarz-weisss-Ästhetik,

und am Ende zwei völlig geschaffte aber auch ein bisschen glückliche Grafikerinnen.

 

Für die ausgesprochen kreative Idee eines Berufseinstiegs über eine selbst inszenierte Belastungsprobe unter simulierten Realbedingungen mit guter Aussicht auf erste Kundenakquisition, mit selbst eingefädelter PR sowie klugem Sponsoreneinsatz ist diese Arbeit ein Beispiel mit hoher Vorbildfunktion gerade für junge Menschen am Berufsanfang.

 

Das erste Label des Deutschen Werkbund Baden Württemberg geht daher heute an: Nelly Brunkow und Eva-Maria Judkins, längst bekannt unter der im August 2007 mit zwei weiteren Kollegen gegründeten neuen Firma: „Special Machine“.

 

Herzlichen Glückwunsch Euch beiden!

 

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