HAUSEN - wie will der Mensch zukünftig leben?

Ein Studentenwettbewerb anläßlich des 75-jährigen Bestehens der Weißenhofsiedlung 2002

 

_ Auslober

Deutscher Werkbund Baden-Württemberg e.V. (dwb bw)

Gluckstraße 18, 76185 Karlsruhe

Fon: 0721-552547 Fax: 0721-553471

e-Mail: bw@deutscher-werkbund.de

Internet: www.deutscher-werkbund.de

 

1927 hat der Deutsche Werkbund die Weißenhofsiedlung als Zukunftsmodell initiiert. Er hat sich neben den Fragen nach zeitgemäßer Gestaltung vor allem auch mit den sich ändernden Lebensstilen und Lebensformen befaßt und sich mit dem "Wohnen" in Diskussionen, Tagungen Publikationen und Ausstellungen auseinandergesetzt. Mit dem ausgeschriebenen Wettbewerb soll ein Beitrag zum Diskurs über die "Zukunft des Wohnens" angestoßen und die junge Generation aufgefordert werden, ihre Vorstellungen zu "zukünftigen Lebensformen und zukünftigem Wohnen und Arbeiten" zu formulieren.

 

Schader-Stiftung

Karlstraße 85, 64285 Darmstadt

Fon: 06151-1759-0 Fax: 06151-1759-25

e-Mail: kontakt@schader-stiftung.de

Internet: www.schader-stiftung.de

Die Schader-Stiftung fördert den Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaften und Praxis. Der Schwerpunkt ihrer Fördertätigkeit liegt auf dem Themenbereich ‚Wohnen'. Ziel ihrer Arbeit ist es dabei, die Folgen des gesellschaftlichen Strukturwandels für das Wohnen zu beleuchten und praktische Handlungsvorschläge für Politik, Wirtschaft und gesellschaftliche Akteure zu erarbeiten.

 

_ Ziel des Wettbewerbs und Bezug zur Weißenhofsiedlung

Zeitgemäße Interpretation des Themas "Wohnen" im Kontext zu den Zielen der Weißenhofsiedlung 1927. 1927 ging es um Konzepte und Utopien für einen im Zuge der Industrialisierung zu erwartenden Massenwohnungsbau. Heute und in Zukunft wird es, bei schrumpfender Bevölkerung darum gehen, neuen Bedürfnissen aus gesellschaftlichen und demografischen Veränderungen Ausdruck zu verleihen, wie auch bestehenden und neuen Baustrukturen, Technologien und Werkstoffen Rechnung zu tragen.

Aufgabenstellung

Das Konzept der Weißenhofsiedlung war interdisziplinär und unkonventionell, hat Maßstäbe gesetzt und soziale und gestalterische Utopien formuliert. Es hat die Diskussion über die Frage, "wie wollen wir wohnen" nachhaltig und international stimuliert.

 

HAUSEN - wie will der Mensch zukünftig leben? Welche Ansätze lassen sich heute finden?

Unabhängig von Komplexität und Quantität der geforderten Arbeiten geht es bei der Aufgabe darum, an einem exemplarischen Modell Probleme im Gesamtzusammenhang aufzuzeigen und Lösungen zu finden. Im Vordergrund steht nicht die formale Gestalt, sondern die Gestaltung der Prozesse und Wirkungszusammenhänge.

Mit einem Bündel an Leitfragen will der Auslober die Aufgabe auf den Punkt bringen.

 

_ Leitfragen

- wie wollen wir in Zukunft wohnen und arbeiten?

- welche Faktoren prägen das Leben im 21. Jahrhundert?

- welche Ansprüche haben wir?

- welche Utopien sollten uns leiten?

- und welche Form sollten sie haben?

- welche Haushaltsformen sind möglich?

- wie werden besondere Bedarfsgruppen berücksichtigt?

- wie können ökologische Ziele besser eingebracht werden?

 

Denkbar sind z.B. folgende Bereiche

- Quartier - Haus - Wohnung - Freiraum

- Wohnung - Einrichtung

- Ökologie - Energie - Baustoffe

- Medien - Elektronik - technischer Ausbau

- neue Materialien

 

_ Wettbewerbsart und Teilnahme

Studentenwettbewerb (Ideenwettbewerb) an Hochschulen und mit interdisziplinärer Ausrichtung; Fachbereiche u.a. Wohnungs- und Städtebau, Industrie- und Produktdesign, Innenarchitektur. Die Wettbewerbsaufgabe kann einzeln oder in Gruppen bearbeitet werden. Die Beteiligung weiterer Hochschulen ist erwünscht. Die Ausschreibung kann ab 20.03.2002 im Internet unter www.deutscher-werkbund.de abgerufen werden.

Jury + Verfahren

_ Jury

- Michael Andritzky, Soziologe und Ausstellungsgestalter, Karlsruhe, dwb bw

- Prof. Uwe Fischer, Designer, Staatl. Akademie d. Bild. Künste Stuttgart

- Prof. Dr. Matthias Götz, Burg Giebichenstein, Halle; Museum f. Gestaltung Basel

- Prof. Hartmut Häussermann, Wohnsoziologe, Humboldt Universität Berlin

- Prof. Dr. Stefan Hradil, Soziologe, Mainz, Schader-Stiftung

- Karin Leydecker, Journalistin, Schifferstadt

- Prof. Günter Pfeifer, Architekt, Freiburg und Darmstadt

- Prof. Otto Steidle, Architekt, München

 

_ Vorprüfung

Petra Habammer Dr. Thorsten Bürklin und Dipl.Ing. Christine Bosch, Landschaftsplanerin, Freiburg

 

_ Geforderte Wettbewerbsleistungen

- Programmformulierung: Texte, Pamphlete, Skizzen, Pläne, Videos, CDs, Modelle, ... (die Darstellungsart des selbstgewählten Programms ist nicht vorgeschrieben)

- Zusammenfassung der Arbeit auf einem DinA4-Blatt für die Vorprüfung

- Verzeichnis der eingereichten Unterlagen

- Verfassererklärung in einem verschlossenen Umschlag mit Kennzahl

- Kennzeichnung sämtlicher Unterlagen rechts oben mit einer sechsstelligen Zahl aus arabischen Ziffern.

- Anerkennung

 

Ausstellung aller eingereichten und öffentliche Darstellung der prämierten Arbeiten. Es ist beabsichtigt, Auszeichnungen in mehrerer Kategorien zu vergeben, die von der Jury noch im Einzelnen festzulegen sind.

Nutzung der Arbeiten: Die Teilnehmer stellen die Arbeiten für Publikationen und Ausstellungen mit Namensnennung zur Verfügung. Einsprüche gegen das Verfahren oder gegen die Beurteilung sind nicht zugelassen.

Die Teilnehmer anerkennen durch ihre Teilnahme die Auslobung.

 

_ Programm

Samstag, 26. Oktober 2002 „HAUSEN - wie will der Mensch zukünftig leben?“

Ort: Foyer und Hörsaal der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

11:00 Führung durch die Weißenhofsiedlung (nach Anmeldung)

Treffpunkt Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Foyer Neubau II

13:00 Vorspiel

14:00 Vorstellung der Wettbewerbsarbeiten durch Führungen der Juroren durch die Arbeiten und postersessions - Präsentationen Studenten

16:00 Preisverleihung

17:00 Diskussion "Wie will der Mensch zukünftig leben?"

Moderation: Prof. Werner Durth

19:00 Vergabe des Publikumspreises

19:30 Nachspiel

Es wurden 5 gleichrangige Preise und 2 Auszeichnungen vergeben

Preise

_ Anne Riggemann, Universität Stuttgart

Bauen im Bestand im Stuttgarter Westen

Zukünftige Wohnformen werden sich stärker im Bestand organisieren müssen. Diese Arbeit widmet sich diesem Thema am Beispiel eines Blocks im Stuttgarter Westen mit strategischen Vernetzungsmodellen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Volumen. Das ist ein wertvoller ökonomischer und ökologischer Beitrag zum gestellten Thema

 

_ AG "Hafen Karlsruhe", Universität Karlsruhe

Hafen Karlsruhe

Die Arbeit setzt sich - als ganzes - in drei unterschiedlich vorgelegten Schwerpunkten mit der "Inbesitznahme" und "Ansiedlung" von Wohn- und Arbeitsbereichen auf einer Industriebranche auseinander. Im konkreten Fall handelt es sich dabei um ein Hafengelände in Karlsruhe, das unabhängig von seiner momentanen Einbindung in das urbane Gefüge ein Potential für neue städtische Quartiere mit Zukunftschancen bietet. Insbesondere das Containerprojekt als eine strategische und architektonische Intervention wird herausgestellt. Es ist von hoher Gestalt- und Nutzungsqualität. Aber gleichermaßen werden auch andere typologische und architektonische Beiträge herausgestellt, wie "Wohninsel" und "Wohnen 90°" usw. Der Beitrag lenkt die Aufmerksamkeit auf die künftige Stadtstrukturen, die die bisherigen vom urbanen Leben und Wohnen abgekoppelten Strukturen den städtischen Funktionen, dem städtischen Leben zuführen. Inhaltlich und formal ist die Arbeit dafür eine "preiswerte" Bearbeitung.

Der AG gehörten 21 Studierende an: Jörg Hehne, Angela Kittler, Christian Werrbach, Heino Paul, Martin Reinig, Uwe Gentili, Philip Wacker, Daniel Grohe, Andreas Schwab, Sandro Mike Rupp, Marcin Gnich, Marcin Grzyb, Maciej Orlicz, Steffen Krieger, Thomas Ebers, Jochen Kaiser, Stephanie Flaig, Ursula Knapp, Margit Ruppert, Lukas Ledderose, Christian Lenz, Stephan Zachmann

 

_ Christiane Pape, Universität Stuttgart

Lifestyle

Innerhalb verschiedener Vergleichsgruppen von Lebensmodellen gelingt es der Arbeit, einen neuen Gebäudetyp zu entwickeln. Das System dieses Typs ist durch einfache Anordnung von Treppen, Nebenräumen und Nutzräumen hochflexibel, v variantenreich und vor allem kommunikativ zu bewohnen.

 

_ Mareike Mütel und Jan-Steffen Glade, Hochschule für bildende Künste Hamburg

Wohnen

Flexible Wohnungsbausteine für Stadthäuser wurden projektiert. Sie beruhen auf einer präzisen Analyse der zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklung zwischen Individualisierungstrends und Gemeinschaftsbestrebungen. Was die Arbeit besonders auszeichnet, ist die konsequente "Übersetzung" dieser gesellschaftlichen Entwicklungen in Bedürfnisse und Wünsche der Menschen für ihr zukünftiges Wohnen und Arbeiten.

 

_ Patrick Zöller, Universität Karlsruhe

Dauerhaft provisorisches Zu-Hause-Sein

In der Arbeit - ein umfangreicher Text - wird aus drei Quellen erschlossen, wie man morgen wohl leben könnte; aus der sozialwissenschaftlichen Literatur, aus zeitgenössischen Darstellungen im Film und aus der Geschichte der Architektur. Der Autor widersteht der Versuchung, Widersprüchliches und Ambivalentes durch klare "Regie-Architektur" baulich aufzulösen. Paradoxe Formulierungen, wie z.B. "Bleiben im Aufbruch" oder "Dauerhaft provisorisch" machen deutlich, dass neben dem nach wie vor stark verbreiteten Leitbild des "Eigenheims" sich neue Orientierungen bemerkbar machen, die nicht ohne weiteres in eindeutige Bauprogramme umzusetzen sind. Das Ergebnis ist die Bemühung, Schwebezustände zu ermöglichen, eben ein "Dauerhaft provisorisches Zu-Hause-Sein". Das Konzept ist auf Bestandsnutzungen ebenso ausgelegt wie auf experimentellen Neubau. Besonders erwähnenswert ist die Idee, durch die Rücknahme privater Nutzungsflächen der architektonischen Gestaltung einen künstlerischen Platz für die Schaffung offener Räume zu eröffnen.

Auszeichnungen

_ Bui Duc Thi und Carsten Boenicke, Universität Stuttgart

Anthroposphere

Das Projekt ist eines von mehreren, das davon ausgeht, dass der Mensch in Zukunft noch flexibler, noch mobiler, noch globaler leben wird. Im Laufe seiner Biographie wird er mehrfach seinen Lebensmittelpunkt wechseln, an einen anderen Ort, in einer anderen Stadt, ja auf einem anderen Kontinent leben und wohnen:

Das Leben -"eine Reise durch Raum und Zeit", so die Verfasser. Die sogenannte "Sphere", eine Art Wohnhaut, eine transparente schwebende Kugel, macht den Menschen fähig, - so die Vision - , global zu leben. Die Arbeit wurde als Computeranimation eingereicht. Insbesondere diese Darstellungsform hat die Jury überzeugt, die an sie deshalb eine lobende Erwähnung vergibt.

 

_ Giancarlo Maglia, Anne Meiners, Maren Pipplies, Boris Schmidt, Universität Stuttgart

Lucky Loop

Lucky Loop - das ist der Traum von einer Architektur im Rucksack, einer Architektur überall und nirgends! Es ist das "Hausen" des modernen Nomaden mit allen seinen Problemen: Seinem Problem von der Unfähigkeit, Orte als solche zu definieren und der Tendenz des wurzellosen Seins, das sich mit dem unmittelbaren Jetzt und Hier zufrieden gibt. Ganz wichtig im Kontext dieser Arbeit ist auch das anklingende Motiv emotionaler Defizite, für die Architektur zum Auffangbecken wird. Lucky Loop ist das Kompensationsmodell, die Schmusewolke, die auf Körperkontakt reagiert und wie ein fühlender Organismus antwortet. Umhüllend, tröstend, zärtlich - eine Kuschelmembran aus Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" für alle Gelegenheiten. Sicher nicht unumstritten, aber dennoch von beachtlicher sensomotorischer Gefühlsqualität. Und Gefühl als Architekturpotential zu begreifen, ist eine Hoffnung und ein großes Versprechen trotz aller Zugeständnisse dieser Arbeit an den medialen Unterhaltungsbetrieb.