Stadtentwicklung – wer macht das Spiel?

Werkbundtag 2002 in St. Ingbert, in der „Alten Baumwollspinnerei“ und Saarbrücken-Burbach, im Ehemaligen Eisenbahn-Ausbesserungswerk

Ausgerichtet vom saarländischen Werkbund in Zusammenarbeit mit dem DWB e.V.

27. und 28.September 2002

 

Der saarländische Werkbund hatte als Tagungsort zwei brachgefallene Industrieorte ausgesucht, deren Umnutzung noch Projekte „im Werden“ sind, um damit auch das Prozesshafte sowohl der vorgestellten Projekte als auch des Diskussionsthemas zu unterstreichen.

Am 27.September wurden in einem Workshop „best-practice“ Werkbundprojekte diskutiert. Hans Güdemann hatte sie aus der großen Anzahl der laufenden bzw. abgeschlossenen Projekte unter Qualitätskriterien wie „Vielfalt, Integration, Kohärenz und Eigendynamik“ ausgesucht. In der Zusammensicht aller Projekte kristallisierte sich eine Aufgabe des Werkbundes heraus: er hat als Plattform für Wahrnehmungsfragen zu dienen

 

Bevor am Abend das Werkbundfest stattfand, begrüßte der saarländische Umweltminister, Stefan Mörsdorf, die Anwesenden und vertrat in seiner Ansprache mit Blick auf das Thema des folgenden Tages die These: „Stadtentwicklung kann nur so gut sein, wie der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde.“

Der 28. September begann mit einer Stadtexkursion, bei der die neu entwickelten Gebiete Hafeninsel, Saarterrassen und Euro-Bahnhof besucht wurden. Diese ehemaligen Industrieareale standen beispielhaft für Stadtentwicklung und sollten in die Fragestellung der Podiumsdiskussion einführen. Wie sieht Stadtentwicklung heute aus, wie müsste sie in Zukunft aussehen? Welche Rolle spielen heute Investoren, halböffentliche Entwicklungs- und Planungsgesellschaften oder Einkaufsunternehmen? Welche Rolle spielen dabei Bürger und demokratisch legitimierte Gremien? Die provokant formulierte Frage „Stadtentwicklung - wer macht das Spiel?“, mit der sich die Diskutanten Dieter Blase, Uwe Bodemann, Wolfgang Christ, Gerd-Rainer Damm und Gerd Wilhelmus unter der Moderation von Hartmut Arras befassten, blieb ergebnisoffen. Doch in der lebhaften Diskussion auch mit dem Publikum kristallisierten sich einige Thesen heraus. 1. So solle Stadtplanung durch Prozess-Steuerung ersetzt werden. Dazu werden Leitlinien benötigt, um mit ihrer Hilfe öffentlich wirksame, überprüfbare und diskutierbare Szenarien und Bilder herzustellen. 2. Stadtentwicklung braucht eine interessierte und informierte Öffentlichkeit. Da sie zumeist fehlt, müssen Planungsverantwortliche sie herstellen. Und schließlich müssen 3. Stadtplaner das Stadtbild verteidigen, um aus bestimmten, charakteristischen räumlichen Konstanten und Fixpunkten ein Leitbild zu entwickeln. Am Ende stand die Forderung nach einer „neuen Kultur des öffentlichen Raumes“, nach einem Stadtdiskurs und knüpfte damit an das Ergebnis des Vortages an.

 

Der DWB Saarland hat eine ausführliche Dokumentation erstellt. Diese können Sie sich hier als PDF herunterladen (1,8 MB).

 

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