Stadtkultur im Dialog: Ost-Westliche Erfahrungen

Werkbundtag 1999 in Dresden, im Festspielhaus Hellerau

Ausgerichtet vom Deutschen Werkbund Sachsen in Kooperation mit der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

16. und 17. Oktober 1999

 

An diesem historischen Werkbundort wagte der DWB Blicke in die Zukunft, ohne die Erinnerung an das Alte zu vernachlässigen. (auch mit einem Spaziergang durch Hellerau).

Mit zwei Vorträgen am Vormittag und einer nachmittäglichen Podiumsdiskussion versuchten die Anwesenden, sich dem Thema zu nähern. Der Münchener Physiker Peter Kafka (Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik) hielt einen alle Disziplinen übergreifenden, pessimistisch-optimistischen Vortrag „Kultur – was ist das eigentlich? Auswege aus den Widersprüchen wachsender Individualisierung und globaler Beschleunigung“. Die erreichte Grenze der globalen Beschleunigung kann sowohl als Gefahr wie auch als Chance für individuelle Verantwortung erkannt werden.

Besonders interessant waren die im Rahmen der Podiumsdiskussion vorgetragenen Einblicke in die Stadtplanung von Krakau - ( Romuald Loegler, „Die Form und Gestalt der Stadt Krakau im Kontext der ökonomischen Entscheidungen“) -, Prag - (Bohuslav Blazek „Unlesbarkeit der Städte“) - und Leipzig - (Iris Reuther, „Kulturelle Erfahrungen im Alltag von Stadtplanung“). Und Thomas Sieverts wies darauf hin, dass Stadtkultur heute nicht mehr nur im Sinne der traditionellen europäischen Stadt verstanden werden kann. Für die Zukunft forderte er einen differenzierten Urbanitätsbegriff, der die bereits existierenden und sich weiter entwickelnden heterogenen und ausgedehnten, problembeladenen Stadtlandschaften umfasst.

Das Werkbundfest am Abend bot ausreichend Gelegenheit zu weiterem Gedankenaustausch.

Am zweiten Tag des Werkbundtages 1999 wurden Projekte aus den Landeswerkbünden vorgestellt, denn ein Werkbundziel ist es, „diese Projektebene neben den oft gesellschaftstheoretischen Diskussionen zu stärken.“ (Güdemann) Aus zwölf vorgestellten Projekten war auf 30 großen Bildtafeln eine Ausstellung entstanden, die im desolaten Ausstellungsraum des Festspielhauses gezeigt wurde. Sie machte das traditionell breite Themenspektrum des Werkbundes deutlich: Weiterbildung und Qualifizierung, Baugeschichte und Denkmalschutz, Stadtstruktur und Wasser in der Stadt, zukunftsweisendes Bauen und Wohnen, Strukturwandel und Zukunftsprojekte.

 

Zusammenfassender Bericht in werkundzeit, Brief 13, Dezember 1999.

 

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